Waldexkursion in Schledehausen

Im Herbst letzten Jahres veranstaltete unser Ortsverband eine Podiumsdiskussion zur Situation des Waldes. Moderiert von Claus Kanke diskutierten Michael Brüggemann (Bezirksförster), Joachim Kellermann von Schele (Waldbesitzer), sowie Christian Schroeder (Landtagsabgeordneter und Forstpolitischer Sprecher der Grünen Landtagsfraktion). In dieser Diskussion wurde intensiv darüber gesprochen, wie wichtig der Wald für uns ist. Und dies sowohl als Holzlieferant, als auch für unser Klima, den Wasserhaushalt und auch als Erholungsfaktor. Unser Engagement für ein konstruktives Miteinander der Forstwirtschaft und Grüner Politik sollte schließlich eine Waldexkursion abrunden, für die sich zahlreiche Gäste direkt begeistern konnten.

Diese fand nun bei schönem Frühlingswetter am 18. April statt. Die gut 30 Teilnehmer:innen trafen sich am Linner Kirchweg an einem Waldstück, dessen Fichtenmonokultur vor 19 Jahren durch den Sturm Kyrill vernichtet worden war.
Um Schäden durch Borkenkäfer zu vermeiden, mussten damals die umgestürzten Bäume sofort beseitigt werden. Unmittelbar sanken die Holzpreise ins Bodenlose, das Saatgut wurde knapp und auch die personellen Ressourcen stießen an ihre Grenzen, weil in kurzer Zeit ganz viele Flächen sowohl abgeräumt, als auch wieder aufgeforstet werden sollten. Daher entschied Herr Kellermann von Schele gemeinsam mit dem damaligen Bezirksförster Herr Pannenborg, dieses Gebiet am Linner Kirchweg nicht durch Neubepflanzung aufzuforsten, sondern sich selbst zu überlassen (Naturverjüngung). Der Plan mal zu schauen, wie sich der Wald ohne Eingriffe entwickeln und verjüngen würde, war also erstmal aus der Not geboren.

Unter Anleitung von Herrn Brüggemann ging es über Stock und Stein tiefer in den Wald. Wir erfuhren, dass sich in den 19 Jahren durch Naturverjüngung inzwischen 12 verschiedene Baumarten hier angesiedelt hatten. Dieser neue Mischwald ist jetzt stabiler und weniger anfällig gegenüber Sturm und Schädlingsbefall. Davon profitiert natürlich auch die Artenvielfalt. Allerdings gibt es große Bestände an Birken und Pappeln, die einerseits zu dicht nebeneinanderstehen, sich gegenseitig an der Entwicklung hindern und andererseits auch anderen Baumarten den Raum zum Wachsen nehmen. Aus diesem Grunde ist geplant, nun einen Teil der Birken und Pappeln zu entnehmen.

Diskussionen gab es, inwieweit eine ökologische Forstwirtschaft staatlich gefördert werden sollte. Herr Kellermann wies darauf hin, dass eine derartige Förderung auch immer Vorgaben an die Waldbesitzer beinhalte und diese (aus deren Sicht) zu sehr bevormunde. Anne Kura – Fraktionsvorsitzende der Grünen Landtagsfraktion – führte an, dass dem Land 60% der niedersächsischen Forsten gehörten. Hier sei es einfacher, frei von wirtschaftlichen Zwängen ökologische Aspekte zu berücksichtigen.

Claus Kanke – Ratsherr in Bissendorf und Kreistagsabgeordneter der Grünen – wies darauf hin, dass die geänderten gesellschaftlichen Erwartungen bezüglich der Forstwirtschaft einen neuen Gesellschaftsvertrag erforderlich machten. Die Bedeutung des Waldes in Bezug auf die CO₂-Bilanz, Wasserhaltung und Artenvielfalt müsse von der Gesellschaft auch gefördert werden. Dies erfordere einen ständigen Austausch aller Betroffenen bezüglich der Rahmenbedingungen.

Herr Kellermann von Schele bestätigte, dass sich durch Frau Staudte, der grünen Landwirtschaftsministerin, die Umgangsweise mit der Problematik im Ministerium verbessert habe. Ihre Berater:innen wären pragmatische Fachleute, mit denen gute Gespräche möglich wären. Anne Kura konnte zudem berichten, dass es in der Landespolitik konkrete Pläne gibt, die Situation der Waldbesitzenden zu verbessern.

Nach ca. anderthalb Stunden ging es zurück zum Linner Kirchweg, wo fast alle Teilnehmer:innen bei Kaffee und Kuchen noch weiter diskutierten. Ein informativer Nachmittag ging gegen 18.00 Uhr zu Ende und das Wetter hat auch mitgespielt. Perfekt!

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