Ein Artikel für den Blickpunkt, Ausgabe Juni 2026
Jugendliche sind Expert:innen für ihre eigenen Lebensrealitäten. Trotzdem werden Entscheidungen über Freizeitangebote, öffentliche Räume oder den ÖPNV oft ohne ihre direkte Beteiligung getroffen. Ein Jugendparlament würde jungen Menschen die Möglichkeit geben, ihre Anliegen regelmäßig und sichtbar in die Kommunalpolitik einzubringen. Aus diesem Grund hat die Gruppe Grüne/UWB einen Antrag zur Einrichtung eines solchen Gremiums gestellt.
Unterstützung für diese Idee kommt von Thomas Grove, Schulleiter und langjährigem Politiklehrer aus Bissendorf. Für ihn ist politische Beteiligung in jungen Jahren besonders wichtig: „Jugendliche und Kinder müssen Demokratie dadurch lernen, dass sie merken, dass ihre Ideen und Diskussionen zu einem Wandel führen, dass es eine Wirksamkeit hat.“ Genau darum geht es auch in unserem Antrag. Das Jugendparlament soll nicht nur symbolisch bestehen, sondern echte Mitwirkungsmöglichkeiten erhalten, indem es Antrags- und Rederechte in den zuständigen Ausschüssen erhält sowie frühzeitig bei Vorhaben, die Kinder und Jugendliche betreffen, beteiligt wird. Perspektivisch soll zudem ein eigenes Budget für Projekte zur Verfügung stehen.
Dass ein solches Modell funktionieren kann, zeigt der Blick nach Osnabrück. Dort engagiert sich Henri Holtgreve im Jugendparlament und berichtet: „Im Jugendparlament machen wir Ähnliches, was Leute auch im Rat, wie zum Beispiel in Bissendorf, machen. Und zwar können wir Anträge in die städtischen Ausschüsse bringen und dann auch in den Rat der Stadt Osnabrück.“ Durch dieses Engagement konnten bereits konkrete Projekte umgesetzt werden. „Zum Beispiel haben wir es jetzt geschafft, in ganz Osnabrück Tisch-Bank-Kombinationen aufzubauen. Und dadurch können sich Jugendliche auch irgendwo treffen, ohne bei irgendwelchen Läden etwas bezahlen zu müssen.“ Auch für Bissendorf sieht Henri Potenzial: „In Bissendorf gibt es keine wirkliche Möglichkeit für Jugendliche, irgendwas zu unternehmen. Man kann sich auch nirgendwo wirklich treffen.“ Deshalb ist er überzeugt: „Jugendliche wissen am besten, was eben für sie am besten ist. Und deswegen können sie sich auch am besten dafür einsetzen.“
Für uns Grüne ist ein Jugendparlament mehr als ein einzelnes Projekt. Es ist ein Beitrag zur Stärkung der Demokratie vor Ort. Gerade in Zeiten, in denen demokratische Institutionen zunehmend unter Druck geraten, brauchen junge Menschen die Möglichkeit, Selbstwirksamkeit zu erfahren und Verantwortung zu übernehmen. Mit unserem Antrag wollen wir dafür die Grundlage schaffen.
Über die Einrichtung des Jugendparlaments wird in der ersten Sitzung des Sozialausschusses in der kommenden Ratsperiode beraten. Der Termin dafür ist am 16.11.2026 um 19.00 Uhr.
Am 13. September entscheiden Sie mit darüber, welche Ideen die Kommunalpolitik der nächsten Jahre prägen. Wir Grüne stehen dabei für mehr Beteiligung, mehr Demokratie und mehr Mitsprache, auch für die jüngsten Bissendorferinnen und Bissendorfer.
Wer die vollständigen Interviews mit Thomas Grove und Henri Holtgreve sehen möchte, findet die Videos dazu auf unserem Instagram-Kanal. Dort informieren wir regelmäßig über unsere Ideen und Initiativen für ein zukunftsfähiges Bissendorf.
Johanna Glüsenkamp, Mitglied des Gemeinderates
