Wie lange hält Beton?

40 oder 500 Jahre?

Beton ist aus unserer hochindustrialisierten Welt nicht mehr wegzudenken. Er ist der Stoff, der Träume Wirklichkeit werden lässt - nicht nur architektonische. Nein, ganz grundsätzlich - sozusagen fundamental im wahrsten Wortsinne - erfüllt Beton wichtige Funktionen unserer Grundversorgung.

Ohne Beton z.B. kein Trinkwasser, wie wir in der ersten Sitzung des neugegründeten Bissendorfer Werks-, Energie- und Umweltausschusses am Montag, den 5. Dezember 2011 erfahren konnten. Dort ging es um die Sanierung des Trinkwasserspeichers in Schledehausen, aus dem Bissendorf den größten Teil seines Trinkwassers bezieht. Dieser Speicher besteht aus Beton und das schon seit ca. 40 Jahren. Das ist für diesen Werkstoff anscheinend ein Alter, in dem sich dessen Gebrechen und Zipperlein bemerkbar machen. Mit teilweise aufwändigen Verfahren hat der Ingenieur Christof Fischer die "Druck-, Haftzug- und Abreißfertigkeiten" des Baustoffs untersucht und dabei einige Mängel gefunden, die dazu führen, dass der Wasserspeicher für über 250.000,- € saniert werden muss (s. auch NOZ-Bericht). Ein Grund für die hohen Kosten ist die besondere Sorgfalt, die im Umgang mit Trinkwasser gefordert wird, denn - so Fischer: "Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel".

Wir haben also gelernt: Beton ist nach 40 Jahren sanierungsreif, und: Alles, was in Kontakt mit Trinkwasser geschieht, muss besonders sorgfältig ausgeführt werden, damit keine Verkeimung oder sonstige Verunreinigung geschieht. Dazu muss man dann halt den zehnfachen Preis gegenüber einer einfachen Maurer- und Putzkolonne bezahlen. Das sei halt so.

Denken wir dann einmal zurück zu der Informationsveranstaltung der Firma Exxon und des Niedersächsischen Bergamtes über die geplante Gasförderung in Bissendorf vor ziemlich genau einem Jahr, am 30. November 2010, dann ergibt sich Erstaunliches. Dort wurde berichtet, dass Bauten aus Beton locker 500 Jahre existieren könnten, sogar im Meerwasser und auch im Erdreich. Und das sogar mit der nötigen Sicherheit gegenüber Trinkwasser bzw. Trinkwasser führenden Gesteinsschichten.

40 oder 500 Jahre? Diese Differenz ist zu groß, als dass man von unterschiedlichen Lehrmeinungen ausgehen kann, das muss andere Ursachen haben. Geht man den Erfahrungen des Alltags nach und unterstellt den jeweiligen Referenten ein Interesse an den präsentierten Ergebnissen, dann könnte man für den Schledehausener Trinkwasserhochbehälter vermuten, dass die Schäden vielleicht doch nicht ganz so gravierend sind, der Prüfingenieur aber die Notwendigkeit seiner Arbeit mit einer Dramatisierung der Ergebnisse unterstreichen will. Aber wie hoch kann man so etwas dramatisieren ohne unseriös zu werden? 10%? 20%? Selbst wenn  wir eine 100%-ige Übertreibung der Ergebnisse annehmen, kommen wir trotzdem lediglich auf eine Nutzungsdauer von Betonbauten im Trinkwasserbereich von 80 Jahren. Danach sind Sanierungen fällig. Aber 500? Wenn Herr Sönkerath vom Niedersächsischen Bergamt ein Rezept hat, um Beton 500 Jahre lang Wasserdichtigkeit mit der dazu gehörenden Sicherheit gegenüber Verunreinigungen und Verkeimungen beizubringen, warum wenden wir das dann nicht beim Schledehausener Wasserspeicher an?

Da scheint es noch erheblichen Klärungsbedarf zu geben, jedenfalls, beide Herren können nicht Recht haben. Die Spannbreite, wie weit ein evetuelles Eigeninteresse auf das Ergebnis einwirken könnte, haben wir für die Sanierung des Schledehausener Trinkwasserhochbehälters schon betrachtet. Und im Falle des Niedersächsischen Bergamtes und der geplanten Förderung von Erdgas durch die Fa. Exxon? Wie sieht das Interessengeflecht dort aus? 

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