Openspace-Veranstaltung spektakulär geöffnet

Spektakuläre Verwandlung von Exxon-Veranstaltung zu Bürger-Veranstaltung

Exxon Mobile will in Norddeutschland mit umstrittener Fördertechnik Gas fördern, was zu teilweise erhebliche Protesten in der Bevölkerung führt(e). Gestern, am 7. April rief Exxon in die Osnabrücker Stadthalle, um im Rahmen einer „Openspace - Informations- und Dialogveranstaltung" die erhitzten Gemüter zu beruhigen.

Das ging gründlich schief...

Es war tatsächlich ein bisschen aufregend: Da saßen ca. 40-50 Behördenvertreter, mehrere Exxon-Mitarbeiter und eine Handvoll "normale" Bürger. Die Moderatoren wollten aus der Veranstaltung eine sozialpädagogische Kuschelgeschichte machen. Es sollten Fragen formuliert und in gemeinsamen Arbeitsgruppen "zugespitzt" werden. Das alles roch sehr nach Zeitgewinn und Ablenkungsmanöver.

„Die Fragen sind doch längst gestellt", rief Ralph Griesinger aus Bissendorf empört, „wo bleiben die Antworten?" In der Tat, nicht nur von diversen Bürgerinitiativen, selbst auf der eigenen Internetseite der Veranstaltung sind umfangreiche Fragen gestellt worden. Eine neuerliche Fragenrunde im Plenum konnte daher keiner so richtig erklären. Nach mehreren peinlichen Versuchen, doch noch das ursprüngliche Konzept durchzuziehen, wurde das auch einem Teil der Moderatoren klar, der daraufhin die Diskussion freigab. Und die sah so aus, dass Exxon konkret gefragt wurde und unkonkret antwortete. Auch der Leiter des extra für dieses Thema zusammengestellten wissenschaftlichen Teams ("wissenschaftlicher Leiter des neutralen Expertenkreises Prof.Dr. Dietrich Borchardt") musste sich peinliche Fragen anhören, und auch er ruderte mehr als dass er argumentierte. Aber immerhin fing er im Laufe der Veranstaltung an, zu kapieren, wie stark das Thema den Bürgern unter den Nägeln brennt, und wie genau sie ihm auf seine Finger schauen werden. Es scheint, er hat ein bisschen Respekt vor der Aufgabe bekommen.

Das Landesbergamt in NRW hat inzwischen eine Abmachung mit Exxon (und anderen Betreibern?) getroffen, sämtliche Bohrungen, also auch Erkundungsbohrungen, vorerst zu unterlassen, bis die Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Expertenrunde vorliegen. Und Exxon hat weiter zugesagt, die Ergebnisse der Expertenrunde in die eigenen Überlegungen "einfließen zu lassen". Was immer das auch heißen mag. Das niedersächsische Bergamt in Form von Herrn Söntgerath verschanzte sich hinter Gesetz und Verordnung. Auch sein Text war äußerst nebulös, aber ein Bohrstopp kam nicht darin vor.

Exxon-Sprecher Norbert Stahlhut hat sich dann sehr gewunden, den Bohrstopp von NRW auch auf Niedersachsen auszudehnen. Er verhedderte sich in unterschiedliche Erdgasvorkommen und Produktionsverfahren. Es scheint aber so zu sein, dass er in Niedersachsen „ein bisschen“ abwarten will. Probebohrungen will er sowieso weiter durchführen wie bisher.

Leider schreibt die NOZ die erstaunliche Verwandlung der Veranstaltung klein und zudem der BI "Schönes Lünne" zu. Was ein wenig unverständlich ist, denn die Lünner Bürgerinitiative hatte sich dem bundesweiten Protesttag „gegen Fracking“ angeschlossen und die open-space-Veranstaltung in Osnabrück boykottiert, war also gar nicht vor Ort.

Wir aber.

Und wir möchten EXXON MOBILE doch noch einmal fragen: Sind Sie bereit, einem umfassenden vorläufigen Bohrstopp in Niedersachsen zuzustimmen, bis verwertbare Ergebnisse aus dem Expertenkreis vorliegen, wie Sie es auch für NRW versprochen haben? Wenn nicht, warum nicht?

Und an das niedersächsische Bergamt: Sind Sie bereit, die Argumentation Ihrer nordrhein-westfälischen Kollegen auf Niedersachsen zu übertragen und einen umfassenden Bohstopp für ganz Niedersachsen zu fordern? Wenn nicht, warum nicht?

Siehe auch:

Bericht im NDR über die Veranstaltung, leider nur über den Nachmittagsteil mit den Behördenvertretern, aber mit dem Hinweis zu dem Boykott der Veranstaltung durch Bürgerinitiativen.

Bericht in den Ruhrnachrichten vom 8.4.2011

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