Notizen zum „EXXON-Dialogprozess“ – das Treffen am 10.10.2011 in Osnabrück

Bevölkerung ist unsicher - Experten auch, geben das aber nicht zu

2. Treffen des [Mediationsverfahrens] zum Thema "Fraccing"

vormittags: Befragung von Fracking-Experten durch den "Neutralen Expertenkreis"

nachmittags: „Zweites Arbeitstreffen des Arbeitskreises gesellschaftliche Akteure“

Sowohl bei der Anhörung der Experten – die überwiegend aus dem Hause EXXON sowie der Bohranlagen-Ausrüster kamen (Halliburton, Schlumberger) als auch bei der Vorstellung der bisherigen Arbeitsergebnisse zeichnete sich ab, dass die Datenbasis für die geplante Risiko-Betrachtung des Expertenkreises sehr dürftig ausfallen wird.

(Dass die Befragten aus den Unternehmen kommen, deren Prozesse untersucht werden sollen, wird von dem Expertenkreis bewußt in Kauf genommen mit der Begründung, dass unabhängige Experten mit den erforderlichen Detailkenntnissen kaum aufzutreiben seien. Da muß man natürlich damit rechnen, dass vor allem das erklärt wird, was reibungslos funktioniert. Wer erzählt schon freiwillig davon, was schief gehen kann und gehen könnte?)

Aufgrund der umfangreichen Thematik aus verschiedensten Fachgebieten ist es kaum möglich, die Veranstaltung, die sich immerhin über einen ganzen Tag erstreckte, hier umfassend wiederzugeben. Ich will aber versuchen, anhand von Beispielen das Vorgehen zu beleuchten.

Die Präsentationen und Infos zu den Experten finden sich auf:

http://dialog-erdgasundfrac.de/treffen-arbeitskreis-gesellschaftliche-akteure-10102011

 

Anhörung zum Thema: Bohrlochabdichtung (gegen das Grundwasser)

Prof. Frank Schilling, KIT, Geowissenschaftler /Petrophysik usw.:

Auf die Frage, wie die einwandfreie Beschaffenheit der Zement-Überdeckung der Verrohrung geprüft werden kann, schilderte er ausführlich den Prozess, die Möglichkeiten der Temperatur- und Druck-Überwachung, Ultraschallprüfung usw. Darauf kam konsequenterweise die Frage, was man mache, wenn durch diese Methoden nun Fehler in der Zementierung festgestellt würden.

Da wurden die Antworten dann sehr vage, so in der Richtung: kommt drauf an, ist in der Regel nicht relevant, so lange keine Fehler auftreten usw.

Klar wurde: In der Regel macht man nichts, so lange nichts passiert. Die Fragesteller erkannten: Aus der zweifachen Sicherheit wird dann eine einfache, was nicht sein sollte.

Dr. Haist als Beton-Fachmann ging danach auf die Standhaftigkeit des Zements in saurer Umgebung ein, die allerdings durch die innere Stahlwand ausgeschlossen sein soll, wie darauf ein EXXON-Vertreter einwarf.

Fazit für den Beobachter: solange Beton und Stahl heil sind, ist alles ok. Schlecht wird’s, wenn eins von beiden Risse hat. (Ist auch schon vorgekommen). Es wäre interessant gewesen, das mit den Experten zu vertiefen, aber hier drängelte Hr. Ewen als Moderator schon mit der Zeit.

Mal schauen, wie das Sicherheitsteam das bewertet.

 

Anhörungsthema: Toxikologie/Umweltgefährdung:

Interessant ist: Die Lagerstätten- und Frack-Flüssigkeit wird nach Förderung in eine andere Bohrung (die sehr weit entfernt sein kann) wieder verpresst. Damit wird die Gefährdung zunächst mal nur räumlich verlagert. Die Entsorgung sei aber heute kein Thema, das wird bei einem anderen Treffen betrachtet.

 

Anhörungsthema: Unfallszenarien und Notfall-Management:

Experten vom TÜV Rheinland gaben einen Überblick über die diversen Vorschriften und Anforderungen, was aber nicht wirklich weiter führte.

Interessant eine Frage zu den Störfällen in Söhlingen und Hengslage, wo giftige Lösungen aus Bohrstellen von EXXON über einen längeren Zeitraum aus Rohrleitungen ausgetreten sind und Pflanzen und sogar Menschen mit Quecksilber und Benzol vergiftet haben (Was von EXXON und vom Bergamt erst nach Recherchen von Journalisten zugegeben wurde).

Hierzu sagte Herr Apitz vom TÜV: Leitungen für wassergefährdende Fluide müssen doppelwandig mit einer Absaugung ausgeführt sein, so dass Leckagen sofort erkannt werden können.

Weitere Frage: Innerhalb von Anlagen oder auch außerhalb?

Innerhalb von Anlagen ja, außerhalb von Anlagen sei das eine Fernleitung, dazu könne er nichts sagen.

Das wirft ein erhellendes Licht auf den Umgang mit wassergefährdenden Stoffen auf diesen Bohrstellen.

Leider verzichtete auch hier der Expertenkreis auf weitere Nachfragen.

 

Präsentationen des Expertenkreises für den „Arbeitskreises gesellschaftliche Akteure“

(Nachmittags-Veranstaltung)

(wie oben erwähnt, downloadbar auf http://dialog-erdgasundfrac.de/treffen-arbeitskreis-gesellschaftliche-akteure-10102011

 

Die Präsentationen von Dr. Birgit Gordalla, KIT, Karlsruhe, Dr. Mechthild Schmitt-Jansen, UFZ Leipzig, Prof. Dr. Ulrich Ewers, Hygiene-Institut des Ruhrgebiets, gehen dabei u.a. ein auf Chemikalien, die bei einem Fracking an der Bohrstelle Buchhorst T12 am 27.07.2011 eingesetzt wurden, bei dem anscheinend Mitglieder dieses Expertenkreises anwesend waren. Die Zusammensetzung des Fluids war hier aber völlig anders und toxikologisch unkritischer als beispw. in Damme oder auch bei anderen Frackingvorgängen.

So wurde der Tonstabilisator TETRAMETHYLAMMONIUMCHLORID durch das relativ unkritische KALIUMCHLORID ersetzt. Oder: Statt einer Bakterizid-Konzentration wie in Damme von 0,04g/l wurden jetzt nur 0,005g/l eines anderen Bakterizids benötigt.

Außerdem wurden insgesamt „nur“ ca. 200 000 Liter verpresst, in Damme waren es 4 Mio. Liter pro Frack!

Das wurde allerdings von den Vortragenden überhaupt nicht erwähnt.

Mir selber fiel nur die geringe Gesamt-Menge auf. Nachgefragt, ob dies ein besonders kleiner Frack sei, wurde dies von einem EXXON-Mitarbeiter bestätigt.

Leider hatte ich die Chemikalienliste von Damme nicht zur Hand, sonst hätte ich auch dazu nachgefragt.

Seitens EXXON wurde zwar am Vormittag erklärt, dass man bestrebt sei, giftige Chemikalien durch weniger giftige zu ersetzen. Die Frage ist aber: gilt das vielleicht nur während der Arbeit des Expertenkreises?

Bedenklich finde ich, dass diese Änderungen im Prozess von Mitgliedern des Expertenkreises nicht bemerkt(?) wurden. Der Verdacht drängt sich hier wieder auf: Kritisch ist das, was nicht gesagt wird.

 

Ralph Griesinger, Bissendorf

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