Keine "Mediation" für Fracking

"Informations- und Dialogprozess" eine Mogelpackung?

Ist trotz wissenschaftlicher Forschung und aufwendigen Veranstaltungen gar keine Einigung zwischen Exxon und Fracking-Gegnern geplant?

Als Reaktion auf unseren Bericht zum 2. "Fracking-Treffen" vom 10. Oktober 2011 in der Stadthalle Osnabrück erreichte uns eine aufschlussreiche Nachricht von Ruth Hammerbacher, eine der beiden Moderatoren des von Exxon initiierten "Informations- und Dialogprozesses" zum Thema Fracking. Dort bittet Frau Hammerbacher, doch den Begriff "Mediation" für diese Veranstaltung nicht mehr zu benutzen, weil bei einer "Mediation" immer auch der Wille zu einer Einigung vorhanden wäre. Da dieser bei der Fracking-Veranstaltung nicht vorhanden sei, könne man lediglich von einem "Informations- und Dialogprozess" sprechen.

 

Das finden wir allerdings interessant. Denn bislang dachten wir, dass der Sinn und Zweck wissenschaftlicher Untersuchungen darin besteht, Handlungen abzusichern, also Folgen für die Handelnden zu haben. Wenn also ein hochkarätiges Wissenschaftlerteam zusammengestellt wird, um "im Sinne einer grundsätzlichen und grundlegenden Umweltverträglichkeitsanalyse" über Fragen und Probleme beim Fracking zu arbeiten, so haben wir bislang vermutet, dass die Ergebnisse diese Arbeiten auch Eingang in die Praxis finden werden. So ungefähr lauteten auch die Aussagen von Norbert Stahlhut, Pressesprecher von Exxon, auf der Einführungsveranstaltung.

Diese Aussage scheint laut Hammerbachers Intervention jetzt offensichtlich nicht mehr zu gelten. Damit bestätigt sie indirekt die Befürchtungen der Projektgegner, dass das ganze aufwändige Verfahren lediglich eine Inszenierung, eine riesige PR-Kampagne von Exxon ist, um Bevölkerung und Behörden ruhig zu stellen, ohne im Kern die Bereitschaft zum Wandel zu haben. Der ganze "Dialog- und Informationsprozess" - eine gigantische Luftnummer? 

Die Hinweise darauf sind in der Tat nicht gering, schon in der Einführungsveranstaltung kam es zu Auseinandersetzungen um die Fragestellung des gesamten Verfahrens. Sie wurden sehr in Richtung Machbarkeit, Wissenschaft und Technik gelenkt, während Fragen nach der Sinnhaftigkeit oder der Energiebilanz der geplanten Gasförderungen abgeblockt wurden. Aber auch konkrete technische Fragen (z.B. von Ralph Griesinger) sind bis heute unbeantwortet.

Es scheint also wie so oft zu sein, schlauer als die Schlaumeier sein zu müssen. Das alltägliche Geschäft des mündigen Bürgers also.

Zu Ihrer/ Eurer Information hier der Originaltext von Ruth Hammerbacher:

"Guten Tag Herr Griesinger,

mein Kollege Christoph Ewen und ich haben Ihren Bericht zu der Veranstaltung am 10. Oktober auf der Website der Grünen interessiert gelesen. Wir freuen uns über Ihre kritischen Beiträge in und zu den Veranstaltungen des InfoDialogs. Einige Bewertungen zur Arbeitsweise des InfoDialogs könnte man aus unserer Sicht allerdings diskutieren - vielleicht gibt es dazu ja bei einer der nächsten Veranstaltungen etwas Zeit am Rande?

Aktuell haben wir eine Bitte an Sie: in Ihrem Bericht bezeichnen Sie den InfoDialog als "Mediationsverfahren".

Wir bitten Sie, diesen Begriff nicht zu benutzen. Christoph Ewen und ich haben uns bewußt für die Bezeichnung "Informations- und Dialogprozess" (kurz: InfoDialog) entschieden, um keine falschen Erwartungen an diesen Prozess zu wecken und Niemanden als Dialogpartner definitorisch zu vereinnahmen.

Ein Mediationsverfahren würde ja voraussetzen, dass alle Beteiligten an einer Einigung und an Kompromissen interessiert sind. Aus kommunikativer Sicht würden wir das natürlich begrüßen. Ob das in diesem Fall zutrifft, ist aber mindestens als sehr ungewiss einzuschätzen. Auch hatten wir angesichts der Vielzahl der Beteiligten und der engen Zeithorizonte nicht die Möglichkeit einer Klärung in den dafür erforderlichen Einzelgesprächen.

Wir würden uns freuen, wenn Sie dieser Bitte nachkommen.

 

Freundlicher Gruß

Ruth Hammerbacher

Christof Ewen"

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