Neues aus Natbergen: Hände hoch, Sie werden umzingelt!

Genau so fühlt es sich an, wenn man im Bissendorfer Ortsteil Natbergen wohnt. Während munter auftauchende Industrie- und Gewerbegebiete den Ortsteil umzingeln, werden die Bewohner gleichzeitig von verbalen Attacken im Gemeinderat eingeschüchtert: „Achtung, Achtung, hier spricht der Bürgermeister! Widerstand ist zwecklos! Ergeben Sie sich!“ Super Drehbuch, fast wie aus den ganz frühen Anfängen der Kriminalliteratur.

Gleich an drei Stellen sollen die Natberger Bürger neue Gewerbestandorte vor die Nase gesetzt bekommen: An der Ecke Lüstringer und Wissinger Str., am anderen Ende der Lüstringer Str. neben der Autobahnmeisterei und zwischen den beiden Stellen auf der Fläche, die sich seinerzeit die Spedition Koch ausgesucht hatte: das „Natberger Feld“ zwischen Natbergen, Eistrup und Achelriede. Gesamtfläche: mehr als 30 Hektar.

Um das Natberger Feld und die Ansiedlung der Spedition Koch hatte es in der Vergangenheit ja ziemlich heftige Auseinandersetzungen gegeben. Die Lage hatte sich erst beruhigt, als sich die Spedition von ihrem Vorhaben zurückgezogen hatte. Allerdings beschloss der damalige Gemeinderat daraufhin leicht pikiert, dann eben die Hälfte der Fläche (ca. 20 Hektar) für die Firmen Solarlux und B&L zu reservieren, falls die dort bauen wollten.

Der Beschluss besteht jetzt seit gut 1½ Jahren. Während dieser Zeit hat keine der Firmen weder gebaut noch überhaupt Flächen dafür aufgekauft. Es hat sich auch niemand bei den zukünftigen Nachbarn gemeldet, um sie über Ansiedlungs- und Planungsabsichten zu informieren. Und eine Terminanfrage von der Bürgerinitiative Schönes Natbergen für ein Gespräch bei der Fa. Solarlux wurde telefonisch sehr freundlich aber auch sehr bestimmt abgewimmelt.

Stattdessen hören wir, dass sich der Gemeinderat seltsam heimlich und unter Ausschluss von möglichen Ansiedlungsgegnern im Rat (Die Grünen und die UWB) mit der Firma Solarlux getroffen hat. Unter Ausschluss der Bürgerinitiative sowieso.

Und statt Informationen prasseln plötzlich verbale Unwetter auf Grüne und Bürgerinitiative ein: In dem Telefongespräch sei die Firma Solarlux bedroht und Bissendorf Schaden zugefügt worden, weil Fragen gestellt und gegenüber der Fa. Solarlux deutlich gemacht wurde, dass einige der betroffenen Bürger durchaus bereit sind, ihre Rechte auch juristisch wahrzunehmen, die sie bei einer Bebauung haben. Sogar eine Zählgemeinschaft im Rat wurde deswegen empört gekündigt.

So heftige Reaktionen auf ein einziges Telefonat? Was soll das Gepolter? Das macht doch alles gar keinen Sinn!

Begibt man sich dann leicht verwundert auf die Suche, ergeben sich aber vielleicht doch verschiedene Ansätze für eine mögliche Sinngebung.

Lautes Getöse ist ein prima Ablenkungsmanöver. Bei dem Ruf: „Haltet den Dieb!“ ist immer Vorsicht geboten und ein Blick auf den Rufer mitunter sehr hilfreich. Im Fall Natberger Feld ist interessant, dass dieses gar nicht am Telefonat Beteiligte sind, sondern Dritte. Es sind Teile des Bissendorfer Gemeinderates, die da so geräuschvoll theaterdonnern. Das wiederum legt den Schluss nahe, sich mal intensiver mit der Rolle des Rates in dem Verfahren zu beschäftigen. Ignoriert man den Pulverdampf, werden dort die Geheimverhandlungen sichtbar, die zwischen Teilen des Rates, den beteiligten Firmen, Dritten oder Vierten stattgefunden haben. Hinterzimmerpolitik nennt man das.

Okay, das ist nicht schön. Was uns aber wirklich Sorge macht: Es ist auch nicht nötig.

Geheimgespräche hinter verschlossenen Türen sind in diesem Fall völlig überflüssig, weil ja bereits ein Ratsbeschluss existiert, der den Firmen Solarlux und B&L die Ansiedlung dort ermöglichen soll. Der Rat hat seine Arbeit getan und könnte sich beruhigt zurücklehnen. Beide Firmen könnten sofort einen Bauantrag stellen und mit ihrer Ansiedlung beginnen. Dass die Ratsmehrheit dies dann auch unterstützen würde, hat sie ja mehrmals eindrücklich demonstriert. Wenn es aber bei den Gesprächen nicht um diese beiden Firmen ging, worum ging es dann? Was wird in Bissendorf in den Hinterzimmern der Politik gekungelt? (Pikanterweise von Parteien, die sich bei der letzten Wahl mit „Transparenz“ und „mehr Bürgernähe“ schmückten?)

Grundstückseigentümer von Flächen im Natberger Feld berichten, dass das kommunale Interesse sich nicht auf die im Flächennutzungsplan für gewerbliche Nutzung gekennzeichneten 20 Hektar beschränkt, sondern dass es um die ursprünglich für die Spedition Koch geplante Gesamtfläche von ca. 40 Hektar gehe. Eine Größe, die den Flächenwunsch der beiden dafür vorgesehenen Firmen weit übersteigt (der uns sowieso als ein wenig üppig ausgefallen erscheint).

Soll hier ein großes Industriegebiet á la Spedition Koch vorbereitet werden? Wurden die beiden Firmen nur vorgeschickt, um gutes Wetter bei der Bevölkerung zu machen? Startet der Rat hier den zweiten Versuch einer geballten Industrie- und Gewerbeansiedlung? Noch dazu in aller Heimlichkeit? Wird Natbergen umzingelt?

Das wäre zwar eine mögliche Erklärung für den Krawall, noch dazu eine durchaus logische, aber eine sehr, sehr bittere.

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