Riesiger Flächenvorrat für Gewerbe und Industrie: Für wen?

Der Bissendorfer Bauausschuss hat am 15.3. 2011 mehrheitlich beschlossen, drei neue Flächen von insgesamt 45 Hektar Größe als Gewerbestandorte zu definieren, um den örtlichen Bedarf der Bissendorfer Firmen nach Erweiterungsflächen für die nächsten 15 Jahre zu decken. Zwei von den Flächen (jeweils 10 und 15 Hektar) sollen direkt in der Nähe der Autobahn ausgewiesen werden. Das können wir unterstützen! Zusätzlich soll aber noch eine dritte Fläche (ca. 20 Hektar) in Natbergen, hinter dem Eistruper Berg bebaut werden, wobei diese 20 Hektar ein vorläufiger Kompromiss sind, vorgesehen waren ursprünglich sogar 41 Hektar. Gegen diese Fläche gibt es erbitterten Widerstand aus der Bissendorfer Bevölkerung, sowie fachliche Kritik von der Stadt Osnabrück. Wir teilen diese Kritik.

Mittelfristige Erweiterungspläne hat von den Bissendorfer Unternehmen lediglich die Firma Solarlux geäußert, wobei sich inzwischen aufgrund der Werbewirksamkeit der dortigen Lage eine Präferenz für den Standort 29.3, südwestlich der Autobahnabfahrt Bissendorf, herausgebildet hat. Es stellt sich also heraus, dass die Natberger Fläche für Bissendorfer Unternehmen gar nicht notwendig ist, nicht einmal in der abgespeckten Version von 20 Hektar.

Für uns ergibt sich daraus die Frage, weshalb dennoch an der Planung für Natbergen festgehalten wird, und für wen die Natberger Fläche trotz aller Widerstände zur Verfügung gestellt werden soll. Welche unbekannte Macht zieht an den Strippen der Bissendorfer Kommunalpolitik? Oder, um das lustige Wortspiel des Ratsherrn Bullerdieck weiterzuspielen: Der „Masterplan“ soll ein „Musterplan“ werden, mutiert aber zum „Misterplan“, weil ein Mister X dahinter steht, der große unbekannte Investor und Strippenzieher.

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises, die schon im Jahr 2005 Natbergen als „1a-Gewerbestandort" entdeckte, schreibt diesen Flächen eine überregionale Bedeutung zu und will über die Region hinaus um Investoren werben. Vom örtlichen Bedarf in Bissendorf ist da nicht mehr die Rede.  Noch gibt es keinen Mister X, wenn die Fläche aber als Gewerbegebiet ausgewiesen wird, werden die Wirtschaftsförderer überregional auf die Suche nach einem Investor gehen.

Wir sind gespannt, wen sie uns da präsentieren werden. Bei einer so großen Fläche unweit des Autobahnkreuzes sind sicherlich weiterhin Logistikunternehmen interessiert.

Diese Entwicklung wird durch die Halbierung der Fläche nicht gebremst. Wir befürchten, dass der einen Hälfte sehr bald die andere folgen wird. Ein Hinweis darauf stellt das geplante Regenrückhaltebecken für die Kompromissfläche dar, das genauso groß ausfällt, wie für die ursprünglich geplante Gesamtfläche, ein zweiter Hinweis ist die Überplanung der Lüstringer Straße, um eine zusätzliche Abbiegespur für das erwartete starke Verkehrsaufkommen einzurichten. Die Erweiterung ist quasi von Anfang an eingeplant. Eine spätere Erweiterung nach Osten zum Gewerbegebiet "Eistruper Feld" ist insbesondere im Zusammenhang mit der Westumgehung denkbar, eine Erweiterung nach Norden, entlang der Lüstringer Str. bis nach Lüstringen-Ost spukt auch in manchen (Beton-)Köpfen herum.

Der "Kompromissvorschlag" der SPD dient als Geburtshilfe für eine solche überdimensionierte Industriefläche im Tal- und Auenbereich vor den Toren Bissendorf. Will das die SPD tatsächlich? Sie lobt den Beschluss im Planungsausschuss, der den BissendorferInnen mehr geben würde als nehmen. Wir sehen das anders: die SPD hat mit ihrer Zustimmung zu einem Gewerbegebiet in Natbergen der Natur, der Landwirtschaft und den Menschen Entwicklungs- Erholungs- und Freiraumflächen entzogen. Gegeben hat sie sich in die Hände von Mister X und eine ungewisse Zukunft für Natbergen und Bissendorf.

 

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